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Fernsehsender kann Arbeitsverträge von Serien-Schauspielern langzeitig und wiederholt befristen

 

Die Eigenart der Arbeitsleistung im Sinn des TzBfG kann die Befristung des Arbeitsvertrags einer Filmproduktionsgesellschaft mit einem Schauspieler sachlich rechtfertigen, der aufgrund einer Vielzahl von befristeten Arbeitsverträgen langjährig in derselben Rolle einer Krimiserie beschäftigt wurde. Mit dieser Begründung wies das Bundesarbeitsgericht am 30.08.2017 in Erfurt die Revision von Pierre Sanoussi-Bliss (55) und Markus Böttcher (53) zurück, die zuvor lange Jahre in der ZDF-Serie "Der Alte" gespielt hatten.

Sanoussi-Bliss stellte in der vom ZDF ausgestrahltenKrimiserie 18 Jahre lang den Kommissar "Axel Richter" dar, Böttcher spielte 28 Jahre lang die Rolle des Kommissars "Werner Riedmann" in der gleichen Serie gespielt hatte. Die Parteien schlossen jeweils sogenannte "Mitarbeiterverträge" bzw. "Schauspielerverträge" ab, die sich auf einzelne Folgen oder auf die in einem Kalenderjahr produzierten Folgen bezogen. Zuletzt wurde Sanoussi-Bliss durch Vertrag vom 13./16.10.2014 in der Zeit bis zum 18.11.2014 für insgesamt 16 Drehtage zur Produktion der Folgen Nr. 391 und 392 verpflichtet. Der Schauspieler vertrat die Auffassung, die Befristung in dem zuletzt geschlossenen Arbeitsvertrag sei mangels Sachgrundes unwirksam, zudem liege eine unzulässige Kettenbefristung vor.

Die Befristung des mit dem Kläger zuletzt geschlossenen Vertrags sei dem BAG nach gem. § 14 Abs. 1, S. 2 Nr. 4 TzBfG durch die Eigenart der Arbeitsleistung sachlich gerechtfertigt. Durch den Sachgrund solle die Befristung von Arbeitsverhältnissen unter anderem in dem durch die Kunstfreiheit (Artikel 5 Abs. 3 GG) geprägten Gestaltungsinteresse des Arbeitgebers ermöglicht werden. Bei der gebotenen verfassungskonformen Auslegung dürfe aber nicht allein die Kunstfreiheit Beachtung finden, vielmehr sei auch dem nach Art. 12 Abs. 1 GG zu gewährleistenden Mindestbestandsschutz des künstlerisch tätigen Arbeitnehmers Rechnung zu tragen. Dies gebiete eine Abwägung der beiderseitigen Belange.

Die Befristungskontrollklage hatte jedoch keinen Erfolg. Die Entscheidung des Fernsehsenders, die Rolle des Klägers nur befristet zu besetzen, beruht auf künstlerischen Erwägungen, die vom Sender umgesetzt wurden. Die langjährige Beschäftigung der Schauspieler in ihren Rollen als Kommissare überwiege nicht das Interesse an einer kurzfristig möglichen Fortentwicklung des Formats durch die Streichung der bekleideten, im Kernbereich des künstlerischen Konzepts liegenden und die Serie mitprägenden Rollen.

Bundesarbeitsgericht, Entscheidung vom 30.08.2017 - 7 AZR 864/15 u. 7 AZR 440/16

 

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